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Kräuter in der Stadt, Schnitter.inClaudia Walcher-Peternel ist Praktizierende der West-Östlichen-Kräuterheilkunde.
Klaus Kirchner sprach mit ihr auf einer Wiese.

Walcher-Peternel: Ein Mensch, der Pflanzen kennt, ist draussen unter Freunden.
Sobald in der Stadt ein Stück Erde offen ist, auf dem Balkon, oder auch als Spalt im Asphalt, wachsen dort Pflanzen. Auch solche, die zum Heilen verwendet werden können. Aber ICH würde die Heilpflanze aus der Asphaltritze – ausser im Notfall – nicht ernten, weil ich nicht dort, wo ohnehin wenig wächst, Pflanzen wegnehme. Der Balkon, die Terrasse, das Hochbeet, der kleine Vorgarten, sind jedoch ideal zum Anbau von Heilpflanzen. Im 2. Bezirk, wo ich arbeite, gibt es nicht wenige Vorgärten, die diesen Namen wieder verdienen. Salbei, Ringelblumen, Pfefferminzen leben dort.
Wenn ein Mensch zu mir kommt und ich stelle diesem eine Pflanzen-Tee-Mischung zusammen, dann bitte ich diese Person oft, sich eine Pflanze aus ihrer Mischung auszusuchen und zu schauen, ob sie sie bei sich im Garten, bei Bekannten, im Internet findet. So kann man den Pflanzen seine Wertschätzung entgegen bringen, sich bei ihnen bedanken, die Medizin achtsamer einnehmen. Manche meiner PatientINNEN, die ich schon über eine längere Zeit begleite, haben auf dem Weg schon eine eigene Beziehung zu Pflanzen aufgebaut.
Eine Patientin kam zu mir mit krampfartigen Regelschmerzen und sie hat von mir einen Tee aus Thymian und Schafgarbe bekommen. Der hat ihr so gut geschmeckt, dass sie jetzt immer Schafgarbe zu Hause hat [die wächst auch in Wien]. Schafgarben-Tee kann vielseitig verwendet werden: nicht nur bei derartigen Regelschmerzen, sondern auch zu Beginn eines grippalen Infekts, wenn zu viel oder falsch gegessen wurde und die Verdauung dann überlastet ist.
Meistens schmecken den Menschen ihre Tees gut und sie nehmen die Kräuter gern. Wenn sie eine Kräutermischung nicht mehr mögen, ist der Zeitpunkt erreicht, wo die Rezeptur verändert werden muss.
Kirchner: Wenn alle ihre Kräuter selbst suchen, sind Sie dann arbeitslos?
Walcher-Peternel lacht: Nein! Viele Menschen wenden ihr Kräuterwissen nur symptommässig an. Bei Kopfweh dies, bei Bauchschmerz das. So etwas geht ganz oft schief. Nehme ich bei Magenbeschwerden Pfefferminz oder Kamille? Pfefferminz hilft bei zu wenig Säure, Kamille bei zu viel. Die Pflanzen haben eine gegenteilige Wirkung.
Manche fragen mich: „Was für eine Veränderung kann es durch das Kraut geben?“ Es ist ganz unterschiedlich, was bei wem passiert. Pflanzen haben ein ganz anderes Potential als synthetisch hergestellte Medikamente. In den Pflanzen sind so viele Wirkstoffe, dass erst im Zusammenspiel Pflanze und Körper entschieden wird, welche Wirkung abgefragt wird.
Auch die Zubereitung (die Temperatur der Tees) ist entscheidend dafür, welche Pflanzenwirkstoffe ausgezogen werden. Wie heiss ist das Wasser? Kocht es? Wie lange lasse ich ziehen?
Menschen in der Stadt wissen oft wenig über Kräuter, beschäftigen sich aber gerne mit ihnen. Viele unserer Pflanzen-FreundINNEN können direkt vor der Nase, im Blumenkasten gezogen werden.

Claudia Walcher-Peternel arbeitet in ihrer Praxis im 1. sowie im 2. Bezirk und in der (onkologischen) Praxis Margareten. Während unseres Gesprächs im Urlaub erhielt sie zwei akute Patientenanfragen.