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Gemüse mit Gesicht. Foto: Irmgard Kirchner

Gemüse mit Gesicht

Nikkolo Feuermacher spricht zum Erntedank mit Maximilian Leitner, Wirt in Wien.

Nikkolo: Solche Radieschen, wie du sie da auf den Tisch gelegt hast, habe ich noch nie gesehen.
Maximilian: Weilst du wahrscheinlich im Supermarkt einkaufst – Massenware. Massengemüse wird so gezüchtet / selektioniert, dass es möglichst schnell, möglichst früh auf den Markt kommt, alles gleich gross und so geformt, dass die Maschinen sie gut ernten und verarbeiten können. Es geht bei der Selektion (das heisst bei der Auswahl welches Gemüse man gerne noch einmal essen will und es deshalb aussäät) schon lange nicht mehr um Geschmack, Farbe, Vitamine, Spurenelemente oder Inhaltsstoffe. Es geht darum wer an den Saaten verdient und dass ein Laie nicht sieht, wenn das Gemüse wochenlang in Kisterln herumgeführt wird. Das gilt alles übrigens genauso für Obst und Fleischwaren (Tiere).

Nikkolo: Wird das Essen immer langweiliger?
Maximilian: Der Geschmack und die Vielfalt verschwinden jetzt, wenn man nichts dafür tut. Jedes mal wenn eine Saat ausgewählt und ausgebracht wird, ist das eine richtungsweisende Entscheidung. Nur das, was die Leute essen bleibt erhalten.

Nikkolo: Kommt das Gemüse, was bei Dir gegessen wird, aus Deinem eigenen Garten.
Maximilian: Das tät ich jetzt gerne sagen. Aber das geht natürlich nicht. Ein Wirt verkauft gutes Essen und Trinken in einem Lokal wo man sich wohlfühlt. Jetzt ist DAS Versprechen schon schwer genug zu halten. Ich kenn mich aber natürlich im Gemüsegarten aus und weiss genau wann ich von wem was bekomme. Die richtigen Gemüsegärtner wissen eh wann sie mir was anbieten können.

Nikkolo: Jemand anderes würde solche Radieschen wohl auch nicht kaufen.
Maximilian: Auf jeden Fall nicht zu dem Preis, den ich zahl.

Nikkolo: Wollen denn nicht alle Vielfalt?
Maximilian: Wo lebst denn Du? Es gibt ganz massive Schritte um Vielfalt auszuschalten. Und damit mein ich nicht nur die Grosshändler. Das fangt schon an mit Patenten auf Pflanzen, Samen und Tiere. Aktuell gibt es da bei uns zum Beispiel drei Patente auf Gersten, die sogar eine Weiterentwicklung der Pflanzen verhindern wollen. Da gehts drum die Konkurrenz zu vernichten und die eigenen Gewinne ständig zu vergrössern – das ist das Gegenteil von Vielfalt.

Nikkolo: Du unterstützt Initiative „Ein Prost auf die Vielfalt“ von Arche Noah?
Maximilian: Ja, und nicht blos mit einer Geldspende für die Prozesse gegen die Patentgeier. Mir ham für die Biere von Heineken (denen gehören Gösser, Schwechater, Wieselburger, Zipfer) und Carlsberg erst einmal Schankstop. Für des Geld was ich hier verdien, mach ich nicht den Schani für eine Brauerei.

Nikkolo: Ich weiss, das willst du nicht sagen, aber wie heisst dein Lokal und wo finden wir es in Wien?
Maximilian: Es lauft echt urgut bei uns und da brauch ich keine Werbung. Wenn du vorher anrufen und einen Tisch reservieren musst um wo zu essen, dann ist es schon gekippt. Wirte san Geheimnisträger und unterliegen der Schweigepflicht.