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Schnitter unterwegsNein, wir haben hier nicht die Bauernkriege oder die 1848-er Revolution vor unserem geistigen Auge, sondern einen gewaltfreien Weg.
Die Wissenschaftler Ulrich Brand und Markus Wissen haben ein Buch mit dem Titel „Imperiale Lebensweise“ * geschrieben. Irmgard Kirchner hat es gelesen.
Der Begriff soll ins Bewusstsein bringen, dass unsere Produktions- und Konsumptionsweise nur dadurch möglich ist, dass deren zerstörerischen sozialen und ökologischen Auswirkungen ausgelagert werden. Damit die Mittelklasse weltweit eine imperiale Lebensweise pflegen kann, entstehen anderswo und für Schwächere schlechte Arbeitsbedingungen und Ausbeutung, autoritäre politische und gesellschaftliche Verhältnisse, prekäre Lebensbedingungen und ökologische Zerstörung. Einen Beitrag zur Überwindung der imperialen Lebensweise, eine echte Alternative, stellen kritisch-emanzipatorische Praxisformen dar, die bereits gelebt werden und auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirken.
Und was das mit der Sense zu tun hat? Die Sense ist das Werkzeug für Urban Gardening, das zu den erwähnten Praxisformen zählt: emissionsfrei, geräuschlos, platzsparend, wartungsarm, kostengünstig. Die besten Sensen kommen aus Österreich, ihre Produktion erfolgt unter fairen Arbeitsbedingungen. Die Sense ist umweltfreundlich. Sie fördert die Biodiversität und verbraucht keine fossilen Brennstoffe. Und zur Ausübung sozialer Herrschaft, die zentral für die imperiale Lebensweise ist, eignet sich die Sense kaum. Die Sense ist für jeden erschwinglich, hat eine lange Lebensdauer und ermöglicht ein selbstbestimmtes, autonomes Arbeiten.
Brand und Wissen schreiben über die Kleinteiligkeit solcher Praxisformen: „Zukünftiges kann nie als Masterplan entstehen, sondern muss sich im Horizont einer anderen, besseren Welt schrittweise entwickeln“ (Seite 171).
Und es entwickelt sich auch Schnitt für Schnitt.
Sense für SensenkurseSensen montierenzwei mähende Schnitter
* Ulrich Brand / Markus Wissen: Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. Oekom Verlag, München 2017, 224 Seiten, € 15,40