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UmzugshelferINNEN für die City Farm in Wien gesuchtMit Wolfgang Palme von der City Farm in Wien sprach Klaus Kirchner.
Kirchner: Ist es wichtig, dass es die City Farm gibt? Im Oktober 2018 verliert sie den Boden unter den Füssen?
Palme: Wenn es Die City Farm nicht gäbe, müsste man sie erfinden. City Farm und Urban Gardening sind zwei untrennbar miteinander verbundene Begriffe. Den Garten kann man nicht downloaden. Ich kann es nur erfahren indem ich es selbst tue. Der Garten hat ein enormes gesellschaftsveränderndes Potential, wir nutzen es viel zu wenig.
Präventive gesundheitliche Kraft zum Beispiel: der WHO-Report 2016 sagt, dass jedes 4te Mädchen, jeder 3te Bub in Österreich in der Stadt übergewichtig ist – Diabetes im Kindesalter, all diese Dinge. Man muss kein Mediziner sein um zu verstehen, dass da gewaltige Probleme auf uns zukommen. Eine einfache Antwort – nicht das Allheilmittel – ist der Garten. Wenn wir dieses Potential nicht nutzen, zahlen wir einen hohen Preis.
Wenn wir es schaffen im Augarten wieder Fuss zu fassen wird es die City Farm weiter geben. Es gibt noch bürokratisch-formale Blockaden und Verzögerungen, aber wir sind auf dem Sprung in den Augarten. Dann sitzen wir mitten in der Stadt, mitten in einem Gebiet, das sehr lebendig ist: Stadterneuerungsgebiet, Nordbahngelände. Wo viele Leute hinziehen werden und schon viele wohnen. Wir wollen diese Leute abholen mit ganz elementaren Sachen: mit Workshops, mit Kursen, wo es immer um das praktische Element geht. Natürlich muss man auch etwas erzählen, aber es geht immer auch darum es selber zu tun. JedeR geht mit einem eigenen Geschenk nach Hause: das kann ein Pflänzchen im Topf, ein Kistchen mit gepflanztem Gemüse sein.
Kirchner: Die City Farm hatte ein Fläche in Schönbrunn, die hat sie inzwischen verloren. Wie schaut es mit dem Umzug aus? Kann man den unterstützen?

Wolfgang Palme von der City Farm Wien

Wolfgang Palme

Palme: Ja, den kann man unterstützen. Wir sind jetzt 6 Jahre in Schönbrunn gewesen. 5.000 Kinder kommen im Jahr zu uns. Wir arbeiten täglich mit Schulklassen, Kindergärten, Hortgruppen. Wenn ich im Kindesalter anfange, kann ich sehr tief pflanzen. Viele Rückmeldungen zeigen die Arbeit in den 6 Jahren als sehr erfolgreich. Wir haben ein gartenpädagogisches Konzept entwickelt, Workshops ausgearbeitet, arbeiten im Jahreskreis mit unterschiedlichen Themen. Wir verlieren jetzt den Boden unter den Füssen. Das ist existenzbedrohlich für einen Verein wie uns, der mit dem Boden arbeitet.
Der Wiener Augarten ist der beste Ort in Wien, den wir uns nur wünschen können. Es sind Gebäude, die zwischen den Wiener Sängerknaben und der Porzellanmanufaktur leer stehen. Der Bund hat kein Geld sie zu sanieren und weil sie so desolat sind, darf er sie auch nicht vermieten. Wir können dort als Mieter nur unter der Auflage einziehen, dass wir auf eigene Kosten sanieren und renovieren. Ca. 4000 qm Gartenflächen sind dabei, ehemalige Baumschulflächen, die für uns geräumt wurden. Die mieten und pachten wir von der Republik Österreich. Wir haben uns auch schon ganz offensiv auf den Weg gemacht um die finanziellen Mittel aufzutreiben. Es geht um eine grosse Summe Geld.
Kirchner: Wer gibt das Geld?
Palme: Heutzutage wird sehr intensiv um Geld gekämpft. Es ist nicht leicht. Menschen, auch Firmen sind bereit eine Sachspende zu geben für dies oder das, aber man kriegt nicht leicht Geld.
Wir sind abhängig von ideeller Sympathie, von Menschen in der Grossstadt, die sagen: „Ja, ich möchte dass unsere Kinder, die Gesellschaft von Morgen, schon heute damit beginnen das Potential zu nutzen.“ Es ist gut investiert, wenn man dieser Gesellschaft etwas geben möchte.
Durch unsere 6jährige Tätigkeit sind wir mit vielen Firmen eng verbunden. Zum Beispiel ist Bellaflora unser Hauptpartner und Sponsor, der steht auch finanziell voll hinter uns. Es gibt auch andere Partner, die gesagt haben: „Wenn ihr neu beginnt sind wir auch finanziell da.“ Wir wollen Firmen gewinnen, die unsere Idee mittragen und mit denen wir diese innerstädtische Bühne nutzen können. Wir wollen jedem ins Scheinwerferlicht verhelfen, der uns dabei unterstützt. Sich mit seiner Vision zu präsentieren, mit den zu uns parallel laufenden Gedanken für eine Veränderung der zukünftigen Gesellschaft.
Die andere Dimension ist unsere Fundraising-Kampagne auf der WebseiteDa kann jedeR Gartenbausteine erwerben: ein Gartenbaustein ist ein Würfel, der 100 € wert ist. Eine Spende, die uns hilft.
Ich selbst arbeite ehrenamtlich, in meiner Freizeit, für die City Farm. Ich habe einen hauptamtlichen Job in der HBLFA (Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Schönbrunn). In der City Farm leite ein Team von 4 fix angestellten Leuten, Teilzeit und Vollzeit, und 5 freien DienstnehmerINNEN, die unsere Arbeit durchführen. Die müssen natürlich bezahlt werden. Das sind junge Leute, in einer ganz anderen Situation als ich. Die City Farm ist auch ein Arbeitgeber.
Kirchner: Arbeitsplätze schaffen im Gartenbereich in der Stadt?
Palme: Menschen, die bei uns arbeiten, haben teilweise schon Angebote mit wesentlich höheren Bezahlungen ausgeschlagen weil sie gesagt haben: „Ich möchte in dem Team bleiben, mit diesem Umfeld, mit diesem Sinn in der Tätigkeit. Ich kann mir nicht vorstellen das aufzugeben.
Wir haben auch Volontäre im Garten, Leute die sagen: „Ich will praktisch mithelfen.“ Wir arbeiten mit Wien-Work, einer Einrichtung wo Jugendliche mit Beeinträchtigungen jede Woche zu uns kommen und den Garten als Fitmachraum für das Leben sehen, für den Einstieg in die reguläre Arbeitswelt. Wir arbeiten mit dem AMS (Arbeitsmarktservice Österreich)zusammen. Es kommen Praktikanten, Leute mit Arbeitstrainings. Ein fast unerschöpfliches Potential – unsere Kapazitäten vorausgesetzt. Man bekommt aber auch etwas zurück, das höre ich von allen Leuten, die in der City Farm etwas tun.
Kirchner: Im Oktober 2018 ist der Umzug?
Palme: Dann müssen wir das Feld in Schönbrunn geräumt haben. Wir werden dann die Gebäude im Augarten noch nicht fertig saniert haben, aber im Garten provisorisch beginnen. Wir können es uns nicht leisten ein Jahr zuzusperren und es ist auch nicht Sinn der Sache. Wir werden mit unseren Workshops schon im Winter beginnen. Wir haben ein Foliengewächshaus.
Kirchner: Eine Brache in einen Garten zu verwandeln, bietet ein Lernpotential und eine Situation mit der viele Menschen in Wien zu tun haben, wenn sie anfangen wollen?
Palme: Bei uns hat natürlich alles eine pädagogische Ausrichtung. Wir werden Zonen haben: die Gärtnerei – wo wir selber auch Jungpflanzen heranziehen; Beete unserer Dauergruppen – die sie das ganze Jahr über betreuen – unsere Junior City Farmer – im hinteren Gartenbereich; vorne den Vielfaltsgarten – in dem wir Menschen thematisch orientiert Gemüse zugänglich machen – mit einer Hochbeetanlage und der grössten Paradeisersammlung Wiens im Sommer – und dem einzige Winter-Gemüse-Schaugarten Österreichs oder Nord-Europas im Winter.
Kirchner: Ich drück die Daumen für den Umzug.
Palme: Danke.