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gehend von Nikkolo Feuermacher 2018Klaus Kirchner sprach mit Franziskus Forster von der Österreichischen Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung / Via Campesina Austria, {Nikkolo Feuermacher stellt das auf diesen Blog.}

Kirchner: Als Städter stellt man sich das romantisch vor: in den Bergen bei guter Luft zu arbeiten. Da würden manche sogar dafür zahlen.
Forster: Die Berge sind oft nur aus Tourismus-Erfahrungen bekannt und werden als Erholungsgebiet wahrgenommen. Meist wird nicht verstanden, dass es diese Erholungslandschaft ohne die viele bäuerliche Arbeit gar nicht geben würde. Wenn es diese Kulturlandschaft weiter geben soll, braucht es Bedingungen, die den BäuerINNEn helfen ihre Existenz zu sichern. Ohne BergbäuerINNEn würden die Landschaften verwalden und die Kulturlandschaft würde verschwinden. Wir wollen nicht, dass ALLE wieder BäuerINNEn werden sollen, sind aber definitiv der Meinung, dass es wieder mehr BäuerINNEn braucht. Mehr klein- und bergbäuerliches Denken und Handeln, wird sicher auch vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft gut tun, viele sagen heute Nachhaltigkeit dazu, was manchmal in eine ähnliche Richtung geht.

Franziskus Forster spricht mit den SchnitterINNEn

Franziskus Forster

Kirchner: Gibt es Menschen, die wieder BäuerINNEn werden wollen?
Forster: In Österreich hat sich eine Plattform gebildet, die sich Perspektive Landwirtschaft nennt. Sie sind getragen vom NEL, dem Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft.
Dabei geht es um das große Thema der außerfamiliären Hofübergabe . Wie gehen wir mit dem aktuellen Strukturwandel um, wenn so viele Höfe zusperren? Was tun Menschen, die BäuerINNEn werden wollen, aber nicht von einem Hof kommen? Es ist extrem schwierig da hinein zu kommen, weil die Landpreise extrem steigen. Land ist teuer und gefragt.
Diese Plattform will landwirtschaftliche Betriebe mit Menschen zusammenbringen, die einsteigen wollen. Sie basiert auf mehreren Jahren Vorarbeit, mehreren Studien. Es geht nicht nur um das Zusammenbringen sondern auch um die Frage: Wie läuft der Prozess weiter? Da braucht es Supervision. Da kommt alles zusammen – kann man es kurz zusammenfassen. Es gibt auch schon Spielfilme zu der Thematik.
Kirchner: Den Film Der Bauer bleibst du , Regie: Benedikt Kuby, Akteur: Heinz Wanner, Sprecher: Tobias Moretti.
{Feuermacher: Im Juni 2018 gab’s den neuen Film von Sigmund Steiner: Holz, Erde Fleisch.}
Kirchner: Sind Sie Sohn eines Bauern?
Forster: Mein Vater war Schmied, hat aber dann auch Gemüsebau gemacht. Ich bin zum Gemüsebau erst über einen Umweg über ein Studium gekommen. Ich habe NICHT den väterlichen Betrieb übernommen. Im Augenblick bin ich froh, dass ich sowohl Gemüsebauer als auch Brückenbauer – für eine bergbäuerliche Politik – bin. Ich bin gerne in beiden Welten.

Kirchner: Vererben ist ein wichtiges Thema. Da frisst die Vergangenheit die Zukunft. Wer Landwirtschaft machen möchte ist nicht automatisch Hoferbe. Die Einstiegspreise werden aber immer höher.
Forster: Steigende Landpreise kommen aus der Finanzkrise, weil es immer mehr Menschen gibt, die ihr Geld sicher in Land anlegen wollen. Gleichzeitig ist aus der bäuerlichen Perspektive Land nicht Investitionsobjekt, sondern es geht um die sinnvolle und nachhaltige Bewirtschaftung. Die bäuerliche Alltagserfahrung ist eher, dass es da weder Wertschätzung noch Wertschöpfung gibt. Da der ökonomische Druck steigt, entschließen sich leider immer mehr BäuerINNEn, das Land zu verkaufen und das wird dann verbaut (noch häufiger wird verpachtet, was derzeit die Landkonzentration vorantreibt). Das ist nicht nur in Österreich ein Problem. Landspekulation nimmt zu. Ebenso der Landverlust: Es werden in Österreich täglich 15 ha Land verbaut. Seit 1950 ist ein Drittel der Ackerfläche versiegelt worden. So kann das nicht weitergehn.
Kirchner: Wenn man in die Berge fährt will man Land sehen und keine Neubausiedlung, die gerade leersteht weil die BesitzerINNEN in diesen Ferien wo anders Urlaub machen. Die Gemeinschaft verliert eine ganze Landschaft, die nicht mehr für sie zugänglich ist?
Forster: Es ist wichtig Boden für die Landwirtschaft zu erhalten und andere Wege zu gehen.
Kirchner: Danke schön!
Forster: Danke auch!

{Feuermacher: Danke ebenso! Von meiner Seite eine Anmerkung dazu: Um Biobauern Land für den Anbau zu Verfügung zu stellen und Spekulation mit landwirtschaftlicher Nutzfläche zu verhindern, haben sich mindestens zwei Stiftungen gegründet: Bio Boden – Ackerland in Bürgerhand (verwaltet von der GLS-Bank) und die Munus-Stiftung, die mit dem NEL – Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft zusammenarbeitet. So kommen Sensen aus der Stadt aufs Land und auch Geld (über Zustiftungen oder Crowdfunding).} nikkolo feuermacher 2018