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Sensenkurs, WOOFEN

Christiane beim Mähen, Ute wetzt im Hintergrund.

Gespräch zwischen Christiane Halder, Ute Hietsch und Klaus Kirchner während des Sensenkurses im Regenbogenland:
Klaus: Wenn ich einen Sensenkurs gemacht habe und möchte als Schnitter.in durch die Welt ziehen um bei netten BiobäuerINNEn zu mähen – würde das funktionieren?
Christiane: Ja. Es gibt genügend Möglichkeiten dafür. [Laut Internetseite in Österreich allein über 320 biologische Höfe.] Um die richtigen Höfe zu finden gibt es die Plattform WWOOF.at und WWOOF.net (für das internationale). WWOOF ist die Abkürzung für „we are welcome on organic farms„. Das ist eine internationale Organisation, nicht auf Österreich oder den deutschsprachigen Raum beschränkt, die geht bis Neu-Seeland, Australien, Italien usw. [Laut Internetseite wwoof.net: über 120 Länder weltweit – nach Afrika, den Americas, nach Asia Pacific und Europa.). Die Reisenden (Wwoofer [wu:fer] genannt) und auch die Höfe zahlen einen Mitgliedsbeitrag (ab 25 € pro Jahr), der kommt der Organisation zu gute. Für diesen Beitrag bekommt man die Liste der Wwoof-Höfe in den einzelnen Ländern. Eine Beschreibung: wo der Hof liegt, was dort gemacht wird, wie die Situation ist, welche Tätigkeiten dort gelernt werden können. WwooferINNEN sind voll in die Familie integriert, dort am Hof. Sie helfen mit, werden verköstigt und haben auf diese Weise die Möglichkeit Land und Leute sehr nah kennen zu lernen. Ausserdem verrichten sie einfache Tätigkeiten im handwerklichen Bereich. WwooferINNEN sollen keine gefährlichen Arbeiten verrichten.
Wir sind schon lange Mitglied mit unserem kleinen Biohof im Kärntner Gailtal. Seit mehr als 15 Jahren haben wir damit Erfahrungen. Es kommen nicht nur junge Leute, sondern durchaus auch ältere. Zum Beispiel wenn sie eine Lebens-Umorientierung haben. Sogar PensionistINNen machen das gerne. Es gibt für jeden Menschen Betätigungsmöglichkeiten. Das passt meistens sehr gut. Vorher können wir uns übers Internet ein wenig kennen lernen. Die WwooferINNEN fragen an „Kann ich zu dieser Zeit kommen?“ – sie haben schon eine gewisse Grundinformation über den Hof und geben Informationen über sich selbst: „Warum ich das machen will?“ „Wie lange will ich bleiben?
Klaus: In welcher Sprache mache ich das?
Christiane: Der Wwoof-Hof gibt an welche Sprachen am Hof gesprochen werden. Natürlich ist es wichtig, dass man miteinander reden kann, ohne das geht nichts. Es gibt auch WwooferINNEN, die die Chance nutzen um eine Sprache zu lernen, das kann ein Hauptmotiv sein.
Klaus: Wie viele solcher Menschen kommen denn in einem Jahr auf Euren Hof?
Christiane: Letztes Jahr waren es zwölf.
Klaus: Wie lange sind die am Hof?
Christiane: Das ist sehr unterschiedlich: von einer Woche bis zu Monaten.
Klaus: Monate? Ein halbes Jahr?
Christiane: Letztes Jahr hatten wir einen Wwoofer vier Monate lang bei uns. Auch noch länger hat es schon gegeben. Das vereinbaren beide Seiten miteinander.
Klaus: Was kostet das – neben dem Mitgliedsbeitrag?
Christiane: Nichts. Kost und Logie sind umsonst und dann ist auszuhandeln: „Wie viele Stunden am Tag wird geholfen?“ Wir praktizieren es so: ein halber Tag Hilfe, ein halber Tag frei, am Sonn- und Feiertag auch frei. Wwoofen wird NICHT als Arbeit definiert, sondern als freiwillige Hilfe. Um nicht in rechtliche Schwierigkeiten zu kommen ist das in keinster Weise ein Arbeitsverhältnis. WwooferINNEN müssen sich selbst versichern.
Klaus: Deshalb auch der Ausschluss von gefährlichen Tätigkeiten.
Christiane: Wwoofen ist verhältnismässig unverbindlich. Beide Seiten können sagen „Passt nicht„. Wenn jemand da ist und man kommt nicht miteinander zurecht kann man sagen: „Bitte schaun wir weiter.“ Das ist bei uns noch nicht vorgekommen.
Klaus: Woher kamen denn Menschen zu Dir?
Christiane: Die meisten kommen aus Deutschland und aus Österreich. Letztes Jahr hatte ich meine erste Japanerin, das war eine sehr nette Erfahrung.
Klaus: Wie habt Ihr gesprochen?
Christiane: In Englisch, viel geht über Englisch, das kann ich relativ gut. Die meisten, die aus einem anderen Land kommen sprechen Englisch.
Dieses Jahr kommen zwei Agrarstudentinnen aus Indonesien, die sprechen auch Englisch. Es wird ihnen als Praktikum anerkannt. Manche Organisationen erkennen Wwoofen als Praktikum an. Zum Beispiel gibt es in Graz seit fünf Jahren das Fachhochschulstudium Nachhaltiges Lebensmittel- und Ernährungsmanagment. Die haben in Ihrem Ausbildungsprogramm 3 Wochen Wwoof-Praktikum. Da hatten wir jedes Jahr StudentINNEn, so um die 20 Jahre alt, für vier Wochen im Praktikum.

Alle Rechte am Bild: Dora Kuty 2014

Zeichnung: Dora Kuthy

Klaus: Kommen auch Menschen, die sonst in der Stadt leben?
Christiane: Durchaus. WwooferINNEN müssen überhaupt keine besonderen Fähigkeiten haben. Gewisse Werthaltungen sind allerdings vorausgesetzt: gesunde Ernährung, gerne in der Natur tätig sein, ein gewisses Umwelt-Bewusstsein, Offenheit im Umgang, tolerant und kommunikationsfähig sein, „normale“ Umgangsformen pflegen. Das ist meist gegeben und nie ein Problem gewesen.
Die Ernährung ist natürlich schon Thema, denn wenn den Menschen nicht schmeckt was am Hof gekocht wird, ist es schwierig.
Vorher wird einiges abgefragt: Ist vegetarische Kost möglich? Vegan – Ja oder Nein? Rauchen erwünscht? Welche Wohnmöglichkeiten sind vorhanden? Sind Kinder erwünscht?
Letztes Jahr habe ich einen Vater mit seinem vierjährigen Sohn kennen gelernt, der ein Jahr lang Wwoofen gegangen ist. Er war nicht bei uns, denn wir nehmen keine mit Kindern (Wir haben selber keine kleinen Kinder auf dem Hof, das passt nicht so rein.). Ich habe ihn auf einem Wwoof-Treffen kennen gelernt.
Eine sehr bunte Community ist das, sehr individuell lebende und denkende Menschen, die auf der Suche sind nach neuen Lebensformen.
Klaus: Macht Dir das Spass diese Menschen aufzunehmen?
Christiane: Es ist auf jeden Fall eine Bereicherung. Manche haben verschiedene Fähigkeiten, z.B. konnte ein Frau mit den Pflanzen bei uns am Hof bezaubernde Blumensträusse binden, die dann überall bei uns im Haus und dann auch auf unserem Stand auf dem Markt waren.
Wir BäuerINNEn sind ja an den Ort gebunden, da freut man sich, wenn die Welt zu einem kommt.
Klaus: Ute, möchtest Du als Wwooferin etwas dazu sagen?
Ute: Ich bin eine 72jährige Frau und habe in meinem Leben auf verschiedenen Höfen gewwooft. Das habe ich immer als grosse Bereicherung erlebt. Gefreut hat mich jetzt: zu hören, dass auch Pensionistinnen kommen. Durch das Alter bin ich etwas entmutigt und dachte mir: „die Zeit ist vielleicht vorbei„. Aber jetzt, durch meine neue Qualitfikation als Schnitterin (im Sensenkurs), die ja anzuwenden ist, geht es mir anders. Wwoofen ist eine der besten Möglichkeiten ein Land von innen kennen zu lernen. Im Mitarbeiten entsteht vieles: unterschiedliche Kulturen kommen zusammen und lernen sich wert schätzen. Eine sehr gute Sache.
Christiane: Gerade bei kleinen Höfen sind WwooferINNen eine wertvolle Hilfe. Wir möchten, dass es eine Balance zwischen Geben und Nehmen ist, damit niemand ausgenutzt wird. Auch wenn kleine Tätigkeiten gemacht werden: Kochen, Geschirr waschen, Stall auskehren, Bohnen pflücken, … alles ist eine Hilfe. Das ist für kleine Höfe schon auch sehr wichtig. Weil die Familien-Situationen anders sind als früher: Früher gab es Knechte, Mägde, grosse Familie, … das ist heute nicht mehr so. Auch die Kinder sind oft weg vom Hof auf ihren eigenen Wegen. Das ist eine andere Art von Öffnung, um das Leben auf den kleinen Hofen möglich zu machen.
Klaus: Auch um das Leben auf den Höfen interessant zu machen? Um sich Anregungen von weiter her zu holen? Die Anerkennung und Wertschätzung von den NachbarINNen reicht nicht aus.
Christiane: Da gibt es oft Diskussionen, nette Gespräche.
Natürlich will das nicht jedeR BäuerIN, denn man muss sich auf die fremden Menschen einlassen, tolerant sein. Man kann sie nicht als Arbeitstiere behandeln – das geht gar nicht.
Klaus: Vielen Dank.

alle bildrechte bei silvia lackner 2018

Zeichnung: Silvia Lackners Schwiegermutter