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Kein Patent auf Sensen, Schnitter.in 2019Puneet Kishor spricht mit Miklós Kirchner in einem Chinesischen Beisl in Wien [for Englisch – look below]
Übersetzung ins Deutsche von Nikkolo Feuermacher

Miklós: Die Sense, ein Werkzeug das Generationen von Menschen seit dem Neolithikum (vor 12.000 Jahren) immer weiter entwickelt haben, ist in meinen Augen ein Allgemeingut [Englisch: common] : jedeR darf es benutzen, wer immer es schmieden kann darf es schmieden, niemand muss für Patentrechte oder Marken Schutzgebühren zahlen. Ist die Kunst mit der Sense zu mähen ein Schöpferisches Allgemeingut [Englisch: creative common]?
Puneet: Du vermischt da einige unterschiedliche Vorstellungen. Eine davon ist die Idee es gäbe eine Art von geistigem Eigentum [Englisch: intellectual property] am Werkzeug Sense. So etwas war nicht immer möglich. Aber als geistiges Eigentum entdeckt wurde, waren darin Werkzeuge und Apparate, hauptsächlich über Patente, eingeschlossen.

*Anmerkung: Es gibt vier Hauptrichtungen von geistigem Eigentum: Kopierschutz [copyright] , Patente [patents], Markenschutz [trademark] und Betriebsgeheimnis [trade secret].

In der Menschheitsgeschichte ist das Patentieren eine ziemlich neue Erscheinung. Du gehst zu einem Patentamt, zeigst ihnen den Entwurf eines Werkzeugs und fragst nach einem Patent. Die Leute vom Patentamt schauen sich das an und fragen dann:
– Ist das etwas, was es noch nicht gibt?
– Ist das nicht offensichtlich?

Wenn es so etwas schon gibt heisst es Stand der Technik [Englisch: prior art]. Du kannst dir nicht einen Stein patentieren lassen um damit etwas einzuschlagen, das ist zu offensichtlich. Wenn dein Apparat nicht Stand der Technik ist und der Verwendungszweck nicht offensichtlich, dann verleiht dir das Patentamt ein Patent für eine bestimmte Zeit, meistens 20 Jahre. Und wenn sie dir ein Patent verleihen weiss jedeR, dass du das Patent hast. Der Apparat und wie er verwendet wird ist sind nicht mehr geheim, aber wenn andere ihn verwenden wollen, müssen sie deine Erlaubnis haben.
Kein Mensch könnte sich heute eine Sense patentieren lassen, weil es sie schon gibt. Du könntest dir wahrscheinlich eine neue Art von Sense patentieren lassen, vielleicht eine mikroprozessor-gesteuerte Sense, oder eine mit einem Bedienungsfeld um einzustellen wie viel Gras du schneidest.
Ein Patent ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten für geistiges Eigentum. Eine andere Form von geistigem Eigentum ist der Kopierschutz [Englisch: copyright] auf den ich mich konzentriert habe während ich bei Creative Commons (NGO) war. Kopierschutz [Englisch: copyright] ist normalerweise beschränkt auf schöpferische Arbeiten wie Lieder, Geschichten, Gemälde, Fotografien, Ton- und Bild-Aufnahmen, Sendungen usw.Schnitter.in im Augustin 2018
Etwas wichtiges, das man auf keinen Fall vergessen darf, ist die Tatsache, dass Ideen nicht kopiergeschützt werden können. Nur der Ausdruck der Idee kann kopiergeschützt sein. Du kannst nicht grundsätzlich die Idee schützen lassen, dass eine Mordgeschichte am Ende von einem Detektiv aufgeklärt wird. Aber sicherlich kannst Du eine bestimmte Geschichte schützen lassen, ihren Ablauf, ihre Figuren, ihre Sprache usw. weil schliesslich diese Geschichte der besondere Ausdruck der Idee einer Mordgeschichte ist.
Genauso haben Tatsachen keinen Kopierschutz. Du kannst Dir zum Beispiel die aktuelle Lufttemperatur nicht patentieren lassen. Aber Du könntest eine ziemlich ausgefinkelte Anzeige der Lufttemperatur mit einem Kopierschutz schützen lassen.
So wie es im Reich der Patente die Sache mit der Offensichtlichkeit gibt, gibt es die Auffassung, dass bestimmte Ausdrucksformen zu einem Allgemeingut an Wissen gehören, dessen EigentümerIN kein einzelner Mensch sein kann. Die Vorstellung von einem Allgemeingut an Wissen entsprang der Vorstellung von einem Allgemeingut an Land [in England].
In der Geschichte hat Land in England [Eng-Land] immer jemandem gehört, üblicherweise dem König oder einem Feudalherren.
Nur in der Neuen Welt gehörte Land niemandem. Als neue Völker in Amerika landeten, hatten die Eingeborenen [Englisch: native americans] kein Konzept von Landbesitz. Diejenigen die landeten sagten: Das gehört jetzt mir! Sie brachten die Idee Land zu besitzen mit ins Land.
Soweit ich es verstehe gehörte in Europa fast das ganze Land irgend jemandem. Aber es gab Landesteile, die niemandem gehörten und als Allgemeingut (Allmende) [Englisch: commons] verstanden wurden: jeder Mensch konnte da hin gehen, Kühe und Schafe dort weiden lassen.
Als es den reicheren Menschen gelang Rechte über diese Landesteile zu bekommen und eine Art Zaun darum zu errichten, lehnten sich die einfachen Menschen [Englisch: common people] dagegen auf und damit begann die Bewegung für Allgemeingüter [Englisch: commons].
Es gibt ein berühmtes Lied aus dem 17ten Jahrhundert über die Entwicklung des Allgemeinguts. Es wurde von den Menschen gesungen, die sich dagegen auflehnten, dass Allgemeingüter eingezäunt wurden. Dieses Bild wird heute immer noch juristisch verwendet wenn es um geistiges Eigentum geht: abgezäunt, eingegrenzt [Englisch: fenced off].
Das Lied heisst Die Gans und das Gemeingut
Deutsche Übersetzung von Nikkolo Feuermacher:
„Das Gesetz sperrt Mann oder Frau ein, die die Gans vom Gemeingut stehlen,
aber es lässt den grösseren Schurken frei,
der der Gans das Gemeingut stiehlt.
Das Gesetz fordert, dass wir bestraft werden
wenn wir Dinge nehmen, die uns nicht gehören,
aber es lässt Feudalherren und -damen strahlen,
die dir und mir etwas wegnehmen.
Die Armen und Verachtungswürdigen
finden kein Entkommen, wenn sie sich verschwören um das Gesetz zu brechen.
So muss es sein, und sie akzeptieren sogar,
das DIE sich verschwören, die das Gesetz machen.
Das Gesetz sperrt Mann oder Frau ein, die die Gans vom Gemeingut stehlen.
Und den Gänsen wird so lange das Gemeingut fehlen,
bis sie gehen und es sich zurückstehlen.“voegel,. bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018

[Englisch: The goose and the common:

„The law locks up the man or woman
Who steals the goose from off the common
But leaves the greater villain loose
Who steals the common from off the goose
The law demands that we atone
When we take things we do not own
But leaves the lords and ladies fine
Who take things that are yours and mine
The poor and wretched don’t escape
If they conspire the law to break
This must be so but they endure
Those who conspire to make the law
The law locks up the man or woman
Who steals the goose from off the common
And the geese will still a common lack
Till they go and steal it back“]

Der Grundgedanke davon ist, dass reiche Menschen gut damit durchkommen etwas einzuzäunen und diejenigen bestrafen, die dann eindringen. Und das so etwas die ganze Zeit über passiert.
Die Idee vom Allgemeingut [Englisch: commons] wurde verstärkt durch Garrett Hardin’s berühmten Artikel „Die Tragödie des Allgemeinguts“ [Englisch: Tragedy of the Commons](1968). Er bezog sich dabei auf materielle Güter und nicht auf geistiges Eigentum. Seine Vorstellung war, dass Allgemeingüter von jedermann ausgebeutet werden bis nichts mehr davon übrig bleibt, so lange man sie nicht reguliert. Weil es niemand besitzt hat keineR ein garantiertes Interesse es zu schützen. JedeR will sich nur noch mehr nehmen ehe nichts mehr davon übrig ist.
Miklós: Das ist eine sehr negative Art sich menschliche Wesen vorzustellen.
Puneet: Genau. Es gab viele Zurückweisungen dieser Idee. Ein anderer Artikel den ich sehr gern habe ist „Die Kommödie des Allgemeinguts“ [Englisch: Comedy of the Commons] von Carol Rose (1986), in dem es darum geht wie Gesetze gemeinsame Räume für Menschen erhalten können.
Labyrinth auf dem SchwarzenbergplatzZum Beispiel ist in den Vereinigten Staaten von Amerika der freie Zugang zu den Stränden gesetzlich geschützt. Im Augenblick gibt es einen grossen Fall, in dem sich ein Milliardär ein Stück Land mit einem öffentlichen Strand gekauft hat. Er kann den Strand nicht kaufen, aber er hat den einzigen Weg zum Strand mit einem Zaun gesperrt. Erst einmal hat er vor Gericht verloren, aber er kann immer noch in Berufung gehen.
In der Vorstellung von Allgemeingut ging es immer um materielle Güter. Vor ein paar Jahren (2009) erhielt Elinor Ostrom den Nobelpreis für ihr Lebenswerk zu diesem Thema. Sie ist als Wirtschaftswissenschaftlerin die erste (und bislang einzige) Frau die den Nobelpreis für Wirtschaft [Englisch: economics] erhalten hat. Sie hat ihr Leben damit verbracht materielle Güter [Englisch: physical resources] als Allgemeingüter zu erforschen.
Über die letzten paar Jahrzehnten entstand eine Vorstellung von geistigem Eigentum um Wissen zu beschränken [Englisch: fencing off], das jedem Menschen gehören sollte.
Als 2001 die NGO [Englisch: non government organisation] Creative Commons [Deutsch: Schöpferisches Allgemeingut] geschaffen wurde, haben wir auf dieses Konzept angespielt.
Es ging darum Allgemeingüter an schöpferischen Leistungen zu betreuen und wachsen zu lassen. Gerichtet hat sich das hauptsächlich an schöpferische Menschen wie DichterINNEN, MusikerINNEN, FilmemacherINNEN, usw.
xbox Schnitter, bild: Nikkolo Feuermacher 2017Miklós: Stell Dir vor jemand bringt SensenlehrerINNEN die Kunst bei mit der Sense zu mähen. Und verlangt dafür, dass jedeR SensenlehrerIN lebenslang eine Abgabe für jedeN SchülerIN bezahlt. Als wenn Sensenmähen ein geistiges Eigentum wäre.
Puneet: Wieder gibt es hier ein paar unterschiedliche Vorstellungen zu trennen. Du hast auf jeden Fall das Recht Lehrmaterial für das Mähen mit der Sense zu entwickeln und dieses als dein geistiges Eigentum zu schützen. Das ist gesetzlich erlaubt.
Aber es ist etwas anderes Geld dafür zu verlangen.
Sagen wir mal ich baue Kartoffeln an und verkaufe sie dir. Ich besitze kein geistiges Eigentum an den Kartoffeln, aber ich kann sie dir verkaufen.
Eben habe ich in diesem Beisl hier gebratenen Reis gegessen, aber ich kann jetzt nicht gehen und sagen: „Tut mir leid, aber Reis gehört zum Allgemeingut und deswegen zahle ich nichts dafür.
Ähnlich kann der Sensenlehrer Geld für seine Arbeit verlangen das Material zusammen zu stellen, für die Zeit die er aufwendet um Menschen das Mähen zu lehren, usw.
Vielleicht trägt er damit zu seinem Lebensunterhalt bei.
Warum zahlen Menschen für etwas? Sie zahlen für etwas weil es bequem ist oder auf andere Weise nicht zu bekommen.
Wenn ich den selben gebratenen Reis, den ich gerade gegessen habe, umsonst bekäme, würde ich dafür 9 € bezahlen? Natürlich nicht.
Und wenn der kostenlose ein bischen weniger gut wäre als der im Beisl?
Vielleicht würde ich immer noch nichts bezahlen. Erst nach einigem Abwägen würde ich sagen: „Der gebratene Reis im Beisl ist es wert, dass ich dafür bezahle.
Der Weg dahin zu entscheiden was wir bezahlen und was nicht, ist manchmal sehr unvernünftig [Englisch: irrational]. Dan Ariely, ein Verhaltens-Wirtschaftswissenschaftler in den USA, hat auf diesem Feld viele Studien gemacht. Er gibt uns Beispiele wo wir glücklich 18 Kilometer quer durch die Stadt fahren um 50 Cent an einer Packung Katzenfutter zu sparen. Oder wir fahren 15 mal um den Häuserblock und verbrennen 4 Liter Benzin um einen kostenlosen Parkplatz zu finden und damit 1 € zu sparen.
Zurück zu unserem Sensenlehrer – dieser Mensch hat das Recht für sein Lehrmaterial und seine Kurse Geld zu verlangen. Nur wenn er etwas weiterverkauft was das Gesetz ihm zu verkaufen verbietet, nur dann bricht er das Gesetz. Aber wenn er etwas erzeugt oder zum Kauf anbietet, das nicht gesetzlich geregelt ist, dann ist nichts falsch daran Geld dafür zu verlangen.
Andererseits haben Menschen das Recht etwas nicht zu kaufen. Sie können beschliessen den Sensenkurs nicht zu machen. Niemand zwingt sie von diesem Lehrer zu lernen. Vielleicht bietet ein anderer Lehrer einen besseren Kurs für weniger Geld an. So ist der Wettbewerb aufgezogen.
Was unser Sensenlehrer nicht machen kann ist: die Arbeit von jemand anderem als seine eigene auszugeben. Das wird von den Rechten auf geistiges Eigentum geschützt. Ich kann nicht Arbeit von deiner Internetseite nehmen, sie auf meine Seite stellen und behaupten das wäre meine Idee. Naja, ich kann das tun, aber du kannst mich daran hindern. Du kannst mich freundlich fragen, du kannst mich sogar vor Gericht bringen. In Wirklichkeit allerdings machst du das vielleicht nicht weil es zu teuer ist das gerichtlich durchzufechten.
Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.Obstbaumwurf von Nikkolo Feuermacher
Oft sind wir dadurch verletzt, dass jemand unsere Arbeit benutzt und uns dafür keine Anerkennung gibt. Aber wir können da nicht viel tun. Menschen kämpfen nur für ein Recht, wenn es sich lohnt für das Recht zu kämpfen.
Wenn der Sensenlehrer wunderbares, bahnbrechendes [Englisch: innovative] Lehrmaterial erschafft wie eine Sense zu benutzen ist, kann er mit Recht beanspruchen das das ihm gehört. Und er hat das Recht darauf andere daran zu hindern es zu benutzen. Und er hat das Recht Geld dafür zu verlangen. Das Gesetz macht es legal das zu tun.
Meine eigene Philosophie ist: wenn ich bequem mit etwas anderem Geld verdiene, habe ich keine Lust darauf Rechte auf geistiges Eigentum zu verteidigen, um das Wissen das ich schaffe abzuzäunen.
Du musst unterscheiden zwischen dem was legal, von dem was moralisch ist, von dem was möglich ist. Was gesetzlich erlaubt ist, ist nicht unbedingt das richtige um es zu tun. Du hast das Recht es zu tun, aber es ist nicht das Richtige.
Wir beurteilen solche Dinge auf jeden Fall.
Beispielsweise hat eine Arzneimittelfirma das Recht 100.000 € für eine Gabe ihres lebensrettenden Mittels zu verlangen. Aber es ist nicht richtig das zu tun. In einigen Ländern wenigstens, wie zum Beispiel in den USA, gibt das Gesetz einen freien Markt und das Recht die Preise ohne Regierungskontrolle festzulegen. (Aber selbst in den USA ist Preistreiberei nicht rechtens, das heisst: in einem Notfall die Preise für lebenswichtige Dinge zu erhöhen.)
In anderen Ländern, beispielsweise in Indien, hat das Gesetz andere Mechanismen zur Preisgestaltung vorgesehen. Es gibt zweibahnige Vermarktungs-Strategien [Englisch: dual-marketing strategies]. Jedesmal wenn ich in Indien bin, kann ich mir einen ganzen Jahresvorrat meiner Arzenei kaufen, für weniger Geld als mich in den USA ein gutes Abendessen kostet. Aber im kleinen Massstab interessiert das niemanden. Ich mache kein Geschäft daraus. Ich kaufe keine Schiffsladungen von Arzneimitteln um sie in den USA weiter zu verkaufen. Das wäre gesetzlich verboten.
Schnitter Tod, Nikkolo Feuermacher 2017 alle Rechte vorbehaltenWas gestattet dir das Gesetz zu tun? Hast du das Recht es zu tun? Ist es das Richtige zu tun?
Da ist ein Mann der Krebs hatte. Er ging zum Memorial Sloane Kettering Cancer Centre in New York (ein auf Krebsbehandlungen spezialisiertes Krankenhaus in den USA). Das folgende Jahrzehnt über wurde er behandelt und geheilt. Er war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Viel später fand er heraus, dass das Krankenhaus einen gesammelten Schatz an Krebszellen hat, die sie verschiedenen Patienten entnommen haben. Sie Digitalisieren jetzt diese Proben, so dass Computerprogramme sie benutzen können (künstliche Intelligenz [Englisch: artificial intelligence]). Um das zu tun haben sie die Proben einer Privatfirma übergegeben. Dieser Mann fühlt sich dadurch sehr verletzt und sagt, dass er nie gefragt wurde ob seine Zellen einer Privatfirma übergeben werden können. Sein Punkt ist: „Wenn sie mich nur gefragt hätten, hätte ich gesagt: KLAR NATÜRLICH.“ Aber er fühlt sich ignoriert, weil ihm das Krankenhaus nicht die Höflichkeit gezeigt hat, die er zu verdienen glaubt.
Das ergibt da eine andere interessante Frage: Nur weil es deine Krebszellen sind heisst das, dass du ihr Eigentümer bist? Das Gesetz gibt uns das Recht auf unsere Hand und unseren Körper. Aber wenn meine Hand abgehackt würde und da auf den Boden fiele, hätte ich dann immer noch ein Recht auf sie? Könnte ich die Polizei rufen und sagen: „Jemand hat meine Hand gestohlen?
Jeden Moment den wir leben werfen wir ständig Zellen ab. Jedes mal wenn ich niesse, schiesse ich möglicherweise ein paar Millionen Zellen in die Atmosphäre. Habe ich an denen Rechte?
Unser Krebspatient hätte sich wohl gefühlt, wenn das Krankenhaus ihn einfach nur um Erlaubnis gefragt hätte. Das ist keine zu hohe Erwartung – Wenn du meine Sachen benutzt, sei einfach so nett und frag mich.
Es ist etwas anderes als geistiges Eigentum, aber es ist eine wichtige und zugehörige Seite davon.
Hast du gesetzlich ein Recht darauf zu verlangen dass etwas dir gehört? Und wenn es so ist, solltest du es verlangen?
Und wenn du die Sachen von jemand anderem benutzt, ist dieser Mensch gesetzlich EigentümerIN? [Anmerkung: in der deutschen Sprache gibt es den Unterschied zwischen „Besitz“ und „Eigentum„] Und ob dieser Mensch EigentümerIN ist oder nicht, solltest Du um Erlaubnis bitten um die Sachen zu benutzen?
Und selbst wenn du diesen Menschen nicht fragen musst, solltest du trotzdem fragen? Wenn du gesetzlich nicht zum Fragen verpflichtet bist – solltest du trotzdem fragen, weil es richtig wäre es zu tun?

Stäbchen und Telefon, Schnitter.in 2019

Wir sitzen hier an diesem Tisch: Dir gehört das Wischtelefon da, das vor uns liegt, also kann es niemand legal wegnehmen. Aber wir sind nicht Eigentümer der Essstäbchen in diesem Glas mit den Servietten. Wenn ein Mensch an unseren Tisch kommt werden wir möglicherweise gefragt: „Darf ich die nehmen?“ Das ist allgemeine Höflichkeit. So etwas gefällt den Menschen.

 

Puneet Kishor

Puneet Kishor

Puneet Kishor ist ein Mann, der in vielen Städten der Welt gelebt hat und dessen Fahrrad in einem Keller in Washington D.C. / USA eingelagert ist. Er war fast ein Jahrzehnt in unterschiedlichen Funktionen bei Creative Commons. Jetzt ist er freier, wandernder Vertreter und Profi für Wissenschaft als Allgemeingut [Englisch: open science practitioner and promoter] und macht für niemanden offizielle Aussagen.

English:
Puneet Kishor is interviewed by Miklós Kirchner

in a Chinese Restaurant in Vienna.Kein Patent auf Sensen, Schnitter.in 2019

Miklós: If I look at a scythe, a tool that has been developed by generations of human beings since the Neolithic Age (12.000 years ago), I think that it is a common: everybody can use it, who ever is able to forge it can forge it and no one is forced to pay royalties to anyone for using a scythe. Is the art of scything a (creative) commons?

Puneet: You are mixing a couple of different ideas here. One is the notion of owning some kind of intellectual property (IP) right in the instrument of scythe. This was not always possible. But once IP rights developed, they evolved to include tools and devices, primarily through the use of patents.

*Aside note: There are four main kinds of IP rights — copyright, patent, trademark and trade secret.

In the history of humanity, patenting something is a relatively recent phenomenon. You go to a patent office, show them the design of a tool, and ask for a patent. The patent office people look at it and ask:
– Is this something that already does not exist?
– Is it something that is not obvious?

If something already exists, it is called “prior art.” You cannot patent a piece of rock for hitting something, that is too obvious. If there is no prior art for your device, and if its intended use is not obvious, than the patent office grants you a patent for a limited amount of time, usually twenty years. And when they grant you a patent, everybody knows that you own the patent. The device and how it works is no longer a secret, but to use it, others have to get your permission. Nobody could patent a scythe now, because it already exists. You could potentially patent a new kind of scythe, maybe a micro-controlled scythe, maybe a scythe with dials to set how much grass you cut.

Patent is only one of the several different kinds of IP rights. Another IP right is copyright, which is where I focused on during my involvement with Creative Commons. Copyright is usually restricted to creative works such as songs, stories, paintings, photographs, recordings, broadcasts, etc. One very important thing to keep in mind is that ideas cannot be copyrighted. Only expression of ideas can be copyrighted. So you can’t copy the idea of a story with a murder that is solved by a detective. But, of course, you can patent a specific story, its plot, characters, language, etc. because, after all, that story is the expression of the idea of a murder mystery. Also, facts cannot be copyrighted. For example, you can’t copy the temperature of the air. But you could make a very elaborate display showing the temperature of the air, and you could copyright that.

Just like there is the issue of obviousness in the realm of patents, there is a notion that certain expressions belong to a commons of knowledge that is owned by no one. The notion of a commons of knowledge sprang from the notion of land commons (in England). Historically, land in England was always owned by someone, typically the king or some lord. Only in the new world was land not owned by someone. So when people landed in America, the Native Americans did not have a concept of land ownership. Those who landed said: this is mine now! They brought with them the idea of owning land.Bild: Nikkolo Feuermacher. Stadtentpflastern

As far as I understand it, in Europe almost all the land was owned by someone. But there were pieces of land that were not owned and they were considered to be a part of commons: everyone could go there and graze their sheep or cows. When the richer people exerted rights over those lands and put some kind of fence around it, the common people revolted against it and the movement for the commons started from there. There is a famous song from the 17th century about the development of the commons, which used to be sung by people protesting against commons getting surrounded by a fence. That image is still used in legal terms when it comes to intellectual copyrights: “fenced off.”

The song is called “The goose and the common”:

The law locks up the man or woman
Who steals the goose from off the common
But leaves the greater villain loose
Who steals the common from off the goose
The law demands that we atone
When we take things we do not own
But leaves the lords and ladies fine
Who take things that are yours and mine
The poor and wretched don’t escape
If they conspire the law to break
This must be so but they endure
Those who conspire to make the law
The law locks up the man or woman
Who steals the goose from off the common
And the geese will still a common lack
Till they go and steal it back

The idea is that the rich people can get away with fencing off something and punish those who intrude on it. And that it happens all the time. The notion of commons was reinforced by Garrett Hardin in his famous paper “Tragedy of the Commons” (1968). But he was referring to physical resources and not IP rights. His notion was that if commons were left unregulated, they would be exploited by everyone until there is nothing left. Because nobody owns it, nobody has any vested interest in protecting it. Everyone wants more before somebody else takes it.
Miklós: That is a very negative concept of human beings.
Puneet: Exactly. There was a lot of push-back against that idea. Another paper that I like a lot is the “Comedy of the Commons” by Carol Rose (1986) which is about how law can protect common areas for people. For example, in the United States of America public access to beaches is protected by law. There is a major case going on right now, where a billionaire has bought this piece of land with a public beach. He can’t buy the beach but he has fenced off the only path to the beach. Anyway, the latest news is that he has lost the case, but he might still appeal.Labyrinth auf dem Schwarzenbergplatz
The notion of common property has always been about physical property. A few years ago (2006) Elinor Ostrom won the Nobel Prize for her lifelong work on this subject. She is the first female economist to get the Nobel Prize for economics. She spent her entire life studying physical resources as a commons.
But over the past few decades the notion of IP rights fencing off knowledge that should belong to everyone has developed. When Creative Commons, the NGO, was formed in 2001, it was a play on that concept. The idea was to steward and help prosper a commons of creative output. It was directed mainly to creative people like poets, musicians, film-makers, etc.
Miklós: Imagine someone teaching the art of scything to scythe teachers. Claiming that all scythe teachers have to pay a lifelong fee for every student that they teach. As if scything was intellectual property.
Puneet: Again there are a couple of different ideas to separate. You definitely have the right to create teaching material for scything and to protect that as your intellectual property. The law allows it. But that is different from charging for it. Let’s say I grow potatoes and I sell them to you. I don’t own any intellectual property in potatoes, but I can still charge you for them.
I just ate fried rice here in this restaurant, but I can’t walk away and say: “Sorry this rice is part of the commons so I won’t pay for it.” Similarly, the scything teacher can charge for the work that he did to put the material together, the time that he takes teaching people scything, etc. Maybe he makes a living off of that.
Why do people pay for something. They pay for something because it is convenient or it can’t be had any other way. If I could have the same fried rice that I just ate for free, would I pay 9 € for it? No I wouldn’t. What if the free one would be slightly less good than this one here in the restaurant? Maybe I still would not pay. There will be some calibration until I say: “This fried rice in the restaurant is worth paying for.
The way we decide what to pay and what not seems very irrational sometimes. Dan Ariely, a behavioral economist in the USA, has done a lot of studies in this area. He gives examples of how we happily drive ten miles across town to save 50 cents on a bag of cat food. Or we drive around the block 15 times burning a gallon of gasoline just so we can find a free parking spot and save a dollar.xbox Schnitter, bild: Nikkolo Feuermacher 2017
Back to our scything teacher — this person has the right to charge for his teaching material and courses. Only if he resells something that the law forbids him to sell, only then does he break the law. But if he is taking or creating something for sale that the law does not place any restrictions on, there is nothing wrong with charging.
On the other side, people have the right to not buy things. They can decide not to take the scything class. Nobody is forcing them to learn from this teacher. Maybe another teacher will offer a better course for less money. This is how competition is fostered.
What our scything teacher cannot do is to take somebody else’s work and claim it to be his own. This is something that IP rights protect. I can’t take work from your website, put it on my website and say that it’s my idea. Well, I can do that, but you can stop me from doing it. You can ask me nicely, you can even take me to the court. In reality though, you may not do that because it is too expensive to litigate. But that is a different issue altogether.
A lot of times we are hurt by the fact that somebody is using our work and not giving us credit. But there is not much we can do about it. People only fight for a right if it’s worth fighting for.
If this person is creating wonderful, innovative teaching material on how to use a scythe, he has the right to claim it is his. And he has the right to prevent others from using it. And he has the right to charge for it. The law makes it legal to do so. My personal philosophy is: if I am comfortably making money doing something else, I have no desire to use IP rights to fence off the knowledge that I create.
You have to separate what is legal from what is moral, from what is possible. What is legal may not always be the right thing to do. You have the right to it, but it may not be the right thing to do. We definitely do judge things like that. For example, a pharmaceutical company has the right to charge 100.000 Dollars for one dose of its lifesaving drug. But it is not the right thing to do. At least in some countries such as the USA the law gives them a free market and the right to set prices without government control. (But even in the USA it is not lawful to engage in price-gouging, that is, increasing prices on something essential in the event of an emergency.) In other countries, for example, in India, the law seems set different pricing mechanisms. So you have dual-marketing strategies. Every time I go to India, I can buy a whole years supply of my medication for a price less than one good dinner in the USA. But on a small scale nobody cares about this. I am not making a business out of it. I am not buying shiploads of medication in India and reselling it in the USA. This is something the law forbids.Schnitter Tod, Nikkolo Feuermacher 2017 alle Rechte vorbehalten
What does the law allow you to do? Do you have the right to do it? Is it the right thing to do?
There is a guy who had some kind of cancer. He went to the Memorial Sloane Kettering Cancer Centre in New York. For the next decade he got treatment there and got cured. He was very happy with the outcome. Much later he learned that the hospital now has this treasure trove of cancer cells that they have taken from various patients. They are digitizing these samples now so they can use computer programs (artificial intelligence or AI). To do that, they have given the samples to a private company. This guy now feels very hurt by that because he says that he was never asked whether his cells could be given to a private company. His contention is: “If they had only asked me, I would have said YES, SURE.” But he felt slighted because the hospital didn’t show him the courtesy that he felt he deserved.
There is another interesting question: just because they are your cancer cells does it mean you own them? The law gives us the right to our hand and body. But if my hand got cut off and fell there, do I have rights to it still? Could I call the police and say, “Somebody has stolen my hand?
Every moment we are alive we are constantly shedding cells. Every time I sneeze I probably launch a few million cells in the atmosphere. Do I have rights to them?
Our cancer patient would have felt very nice if the hospital would have just asked his permission. That is a fair enough expectation – if you use my things, just be nice and ask me. This is separate from IP rights, but is an important and related aspect of it.
Do you legally have a right to claim something to be yours? And if you do, should you be doing so? And if you are using somebody else’s stuff, does that person legally have the right to own that? And whether the person owns it or not, should you ask that person for permission to use it? And even if you don’t have to ask that person should you still ask that person? If you are not legally required to ask – should you still ask because it is the right thing to do?Stäbchen und Telefon, Schnitter.in 2019
Sitting here: You own that phone on the table, so if someone comes he cannot legally take your phone away. But we don’t own the chopsticks in this glass. If someone comes to our table he will probably ask us, “Do you mind if I take this?” This is just common courtesy. People like that.

Puneet Kishor

Puneet Kishor

Puneet Kishor is a man who has lived in many cities of the world and has his bicycle stored away in a basement in Washington D.C. / USA. He was involved with Creative Commons for almost a decade in several capacities. He is now an independent and itinerant open science practitioner and promoter, and does not speak for anyone officially.